die Zeit vergeht viel zu schnell, jetzt bin ich schon fuenf Monate hier und kann es manchmal immer noch nicht so richtig begreifen. Es ist einfach super. Das Vorbereitungsseminar in New York war klasse, war aber auch ruckzuck vorbei. und schon saß ich im Flieger Richtung Chicago und von dort Richtung Texas. Kurz vor dem Landeanflug in Dallas war ich total nervoes, wollte am liebsten sitzen bleiben und wieder zurueckfliegen. Habe ich dann aber zum Glueck doch nicht getan. All die Nervoesitaet verflog naemlich genau in dem Moment, als ich meine Hostfamily sah. Ich habe mich auf Anhieb absolut willkommen gefuehlt.

Seitdem bin ich dabei, eine der besten Erfahrungen meines Lebens zu machen. Meine Gastfamilie ist supernett, die Beste die ich ueberhaupt bekommen konnte. Sie hat mir das Gefuehl vermittelt, ein Teil von ihnen zu sein und mir gings von der ersten Minute an blendend. Mit den drei Hunden und der Schlange gab e s auch keine Probleme, auch wenn die Hunde alle ein wenig verrueckt sind und ich in Deutschland nicht an Hausttiere gewoehnt war. Mittlerweile sind sie mir aber wie die Familie total ans Herz gewachsen.

Nach ein paar Wochen Ferien, in denen ich Frisco ein wenig genauer kennengelernt sowie viel mit meiner Familie und Verwandten unternommen habe, musste ich dann meinen ersten Schultag antreten. Ich war zwar nicht so nervoes wie beim Landeanflug, aber auch diesmal waere ich am liebsten im Bus sitzengeblieben (und wieder habe ich es zu meinem eigenem Glueck nicht getan). Gleich am Anfang konnte ich das besondere Lehrer-Schueler Verhaeltnis an amerikanischen Schulen erfahren, als ein Lehrer eine Unterhaltung mit einem Kollegen unterbrach, nur um mir bei einem relativ geringem Problem zu helfen. Das hat mir sowohl die Nervositaet genommen als auch enorm beeindruckt.
Mit meinen Mitschuelern hatte ich auch keine Probleme. Meistens musste ich nur zwei Saetze sprechen, und schon wussten alle, dass ich ein Austauschschueler war. Dann wurde ich systematisch ausgefragt und durfte mir Kommentare wie "That's great", "That's awesome", "I like your accent" und dergleichen anhoeren. Und die habe ich mir natuerlich gerne angehoert. Schueler wie auch Lehrer waren (und sind) sehr aufgeschlossen und interessiert. Das Tollste an dem Ganzen ist, dass sich das Ganze ehrlich anhoert und nicht als Phrase oder nette Geste gemeint war. Die amerikanische Freundlichkeit. Man kann sich gar kein Bild davon machen, wenn man ueber sie liest, man kann es versuchen, aber man muss sie erfahren haben, um zu sehen, wie klasse sie wirklich ist.. Und man findet sie ueberall, ob in der Schule, im Supermarkt oder auf der Strasse. In solchem Umfang findet man das Ganze in Deutschland nicht.
Schule gefaellt mir hier drueben sehr. Ist zwar etwas lang, jeden Tag bis 16.00 Uhr und danach noch Leichtathletiktraining, aber die Faecher sind einfach, wenn auch nicht anspruchslos und ich habe in den meisten ein A. Freunde habe ich auch gefunden, musste gar nicht lange suchen, die haben mir praktisch mit dem Zaunpfahl ins Gesicht geschlagen oder wie heisst das Sprichwort in Deutschland doch gleich so schoen?
Im Zusammenhang mit Schule gibt es da auch noch etwas anderes zu erwaehnen, dass einfach nur awesome ist: der School Spirit. Sowas findet man wahrscheinlich nirgendwo in Deutschland. Schueler und Lehrer lieben tatsaechlich ihre Schule (wenn auch vielleicht nicht den Umstand, dass sie hingehen muessen). Auf Sportwettkaempfen, Schulorchester und -band auftritten und sonstigen schulischen Aktivitaeten finden sich immer genug Schueler, Lehrer, Eltern etc, um die Schule lautstark anzufeuern oder sonstwie zu unterstuetzen. Das war fuer mich (und ist es immer noch) eine unglaublich tolle Erfahrung. Vielleicht sogar eine der Besten, die ich hier erleben darf. Klingt eventuell etwas k omisch, ist aber so. Einfach super.
Weihnachten ist auch hervorzuheben. Im Vorraus hatte ich einige bedenken, da ich ja von meiner Familie getrennt war und das Ganze ja schon etwas "emotional anstrengend" sein kann. War aber nicht so schlimm. Ich habe viele Geschenke bekommen, sowohl aus Deutschland als auch von meiner amerikanischen Gastfamilie und alles war ok. Ich vermisse meine Familie natuerlich, aber Heimweh haelt sich in Grenzen und auch der "culture shock" ist mir bisher erspart geblieben. An den Wochenenden telefoniere ich mit meiner Familie und das Ganze funktioniert prima. Kann ruhig so weitergehen. Ich bin echt gespannt, was die nachsten fuenf Monate so fuer mich bereit halten. Am Dienstag (in wenigen Stunden) gibt es dann erstmal einen historischen Tag fuer die Amerikaner: Julian Jordan wird 18 Jahre alt (oder wars doch Obama's Amtsantritt?). Das zweite Semester faengt an, und die naechsten Monate halten viele Erfahrungen fuer mich bereit. Hoffen wir mal, dass diese genauso toll sind wie die bereits Gemachten. An der Stelle nochmals vielen Dank fuer das Stipendium, das mir das Ganze ermoeglicht hat. Haette ich ueber meine ganze Euphorie fast vergessen. Definitiv eines der besten Dinge, die mir im Leben passiert sind.
Anbei schicke ich einige optische Eindruecke meines Lebens im Land der unbegrenzten Moeglichkeiten. Ich fuerchte allerdings, dass ich dafuer mehrere Mails schicken muss. Mache ich natuerlich gerne.
Liebe Gruesse nach Bonn,
Julian Jordan




