jetzt sind alle Feiertage vorbei und deswegen habe ich mir gedacht, dass ich Euch ein wenig von meinen Weihnachtsferien und besonders von meinen drei Festtagen (Heiligabend, Silvester und den Heiligen Drei Königen) erzähle.
Die ganze Weihnachtsvorbereitungszeit in Spanien habe ich gar nicht so wirklich mitbekommen. Die Hauptstraße meiner Stadt, die "Calle Real" in San Fernando, war zwar mit bunten Lichtern geschmückt und auf einem Platz stand auch ein riesiger bunter Weihnachtsbaum und eine Krippe, aber ich denke, dass man so an die Advents- und Weihnachtszeit seines eigenen Landes gewöhnt ist, dass man die Zeit vor dem Heiligen Abend noch gar nicht so wirklich als Weihnachtszeit wahrnimmt.
Hinzu kam natürlich auch noch das Klima. Das Wetter in der Zeit vor dem vierten Advent war einfach nur toll. Noch am 21.12 saß ich im Pulli mit meiner Freundin am Strand von Cadiz und wir haben uns einen traumhaften Sonnenuntergang über dem Meer angeguckt.
Weihnachten hat für mich persönlich erst so richtig am Heiligen Abend begonnen.
Morgens ist mein 34-jähriger Gastbruder mit seiner Freundin aus Málaga gekommen . Gegen 18 Uhr bin ich mit den beiden ein bisschen durch die Innenstadt gelaufen und anschließend sind wir noch in eine Bar gegangen. Die war richtig voll, sodass man kaum durchgehen konnte. Das war schon das erste, was mich richtig verwundert hat. In Deutschland würde nie jemand um 18 Uhr in einer Bar sitzen.. Alle sind zu Hause und essen zu Abend.
Als ich dann wieder nach Hause gekommen bin, habe ich schon die ersten SMS'en bekommen, indem sich meine Familie und meine Freunde für ihre Geschenke bedankt haben. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch kein einziges Geschenk geöffnet und machte mich gerade für den Abend fertig. Gegen 21 Uhr sind wir dann zu d
er Schwester meiner Gastmutter gelaufen. (Übrigens, ich lebe hier in San Fernando alleine mit meiner Gastmutter Trini. Sie ist 65 Jahre alt und wir beide verstehen uns total gut und sind richtig glücklich miteinander)
Also, wir waren am Heiligen Abend zwar nur zu sechst, aber trotzdem war ein riesiger Tisch im Raum aufgestellt, wo viele Kleinigkeiten zu sehen waren. Serrano-Schinken, Käse, Brot und Pico, Thunfischsalat, Lachsstückchen, Oliven und Garnelen. Später gab es dann noch Fleisch, welches meine Gastmutter mit ihrer Schwester schon zwei Tage vorher vorbereitet hatte. Zum Nachtisch gab es dann mein selbstgemachtes Tiramisú und selbstgemachtes Weihnachtsgebäck und andere Süßigkeiten. Nach dem Essen haben die alle gesungen und mit "Rasseln" geklatscht und auch ich musste ein deutsches Weihnachtslied singen. Dann haben alle im Chor gesungen, dass ich doch endlich meine Weihnachtsgeschenke aus Deutschland auspacken sollte. Die anderen waren wohl noch mehr gespannt als ich und haben es überhaupt nicht verstanden, dass ich das riesige Packet 2 Wochen ungeöffnet im Raum stehen lassen konnte.
Die Zeit ist dann irgendwie wie im Flug vergangen und um 2 Uhr hatten wir dann mit meiner Gastmutter, meinem Gastbruder und seiner Freundin entschieden, noch "eine Runde" in eine Bar zu gehen. Es war wirklich nur VOLL und man hat 10 Minuten gebraucht um sich auch nur irgendwie von der Stelle zu bewegen. Schließlich sind wir doch in einer Bar gelandet und später noch in eine andere gegangen. Bis 5 Uhr morgens haben wir dort noch getanzt und einfach "Weihnachten gefeiert".
Die restlichen Weihnachtstage wurde dann nicht mehr so wirklich gefeiert. Man hat eigentlich nur die Reste aufgegessen und Familienmitglieder, die man am Heiligen Abend nicht gesehen hat, besucht.
Dann war auch schon Silvester und alle haben angefangen mich zu fragen, ob ich denn schon geschenkte Unterwäsche hätte. Es ist eine spanische Tradition, dass man am letzt en Tag des Jahres geschenkte, rote Unterwäsche tragen muss, damit man im Neuen Jahr Glück hat.
Den Silvesterabend habe ich bei der Gastoma von meiner deutschen Freundin verbracht, da sie eine große Familie hat, die auch alle Austauschschüler haben.
Meine Gastmutter hat mir schon vorher gesagt, dass ich, wenn ich möchte, Silvester mit wem anders verbringen könne, da ihr Sohn zum letzten Tag des Jahres mit seiner Freundin zurück nach Malaga gefahren ist und wir nur zu viert mit ihrer Schwester gefeiert hätten.
Daher war ich bei einer Gastoma mit einer riesigen Familie mit einem noch riesigeren Tisch und mit viel zu viel Essen. Kurz vor Mitternacht habe ich mir meine Weintrauben gepellt und entkernt, da ich Angst hatte, sie sonst nicht alle schlucken zu können. Viertel vor Zwölf war ich dann richtig aufgeregt und konnte mich gar nicht mehr konzentrieren. Alle haben mir nur gesagt, erst 12 Weintrauben, dann anstoßen, dann Wunderkerzen und den ersten Schritt zuerst mit dem rechten Fuß.
Ich war echt so verwirrt und richtig nervös, habe aber trotzdem alle Weintrauben bei den 12 Turmschlägen gegessen und ganz wichtig - auch geschluckt.
Mit welchem Fuß ich letztendlich zuerst aufgetreten bin, weiß ich nicht mehr.
Ich war einfach nur unendlich glücklich, dass ich das Neue Jahr mit 12 Trauben im Bauch beginnen konnte.
Später gab es dann noch Sahnetorten und es wurde die ganze Nacht getanzt, gesungen und wir Austauschschüler haben den Spaniern gezeigt, wie man eine Polonaise macht.
In der Zeit vor den Heiligen Drei Königen bin ich auch endlich richtig in Weihnachtsstimmung gekommen. Auf den Straßen war Weihnachtsmusik zu hören, Kapellen mit Musikern mit Nikolausmützen und überall aufgeregte Leute, die mit riesigen Tüten von Geschäft zu Geschäft gingen.
In den Tagen vor dem 6. Januar gab es dann Karavanen, die mich an die Karnevalszüge in Deutschland erinnert haben. Am 4.1. war nur ein Wagen, in dem kleine Kinder saßen, die die Wunschzettel der Kinder eingesammelt haben und anschließend war noch eine große Verlosung, wo die ersten Kinder schon Fahrräder und Spielkonsolen geschenkt bekommen haben. Am nächsten Tag war die Karavane dann riesengroß. Insgesamt war sie drei Stunden in den großen Straßen in San Fernando unterwegs und man hat Bonbons und noch mehr Bonbons geschmissen. Die Kinder und die Erwachsenen waren alle verkleidet und auch jeder "Heilige König" hatte seinen eigenen Wagen mit kleinen verkleideten Kindern, die mit den Bonbonsausteilen gar nicht mehr nachkamen. Dann war endlich der Tag gekommen, an dem die Heiligen Drei Könige nachts durch alle Fenster kamen und den Kindern (und auch mir) Geschenke brachten.
An diesem Tag war ich mit meiner Gastmutter, ihrer besten Freundin, ihrem Sohn und ihrer Mutter in einem Restaurant essen. Anschließend waren wir noch Café trinken und sind dann nach Hause gegangen und haben es uns vor dem Fernseher gemütlich gemacht und uns auf den (Schul)-alltag eingestellt...
Insgesamt kann ich zusammenfassend sagen, dass mir die Feiertage in Spanien sehr gut gefallen haben. Man hat einfach Feiertage mal ganz anders, aber trotzdem schön kennengelernt. Obwohl ich gestehen muss, dass ich besonders am 24.12. etwas Heimweh bekommen habe. Trotzdem war es eine gute Erfahrung.
Und außerdem ist eins klar geworden:
Im Grunde sind die Spanier nicht anders als die Deutschen:Vor dem "großen Geschenketag" ……kaufen, kaufen, kaufen…… und einen Tag später alles wieder umtauschen...
Liebe Grüße aus San Fernando und muchos besitos a Alemania!
Eure Alina




