Nachdem meine Freundin Steffi und ich die erste Woche unseres Work&Travel Abenteuers in Auckland verbracht hatten, beschlossen wir zu "wwoofen". Wir genossen den Gedanken auf einer neuseeländischen Farm jeden Tag ein paar Stunden für unsere Verpflegung und Unterkunft zu arbeiten und nebenbei Einblick in das neuseeländische Familienleben zu bekommen.
Nach kurzer Absprache machten wir uns auf in das ca. 4 Stunden nördlich von Auckland gelegene Kerikeri in der traumhaften Bay of Islands. Hier wohnten Marty, seine Frau Becky, die selbst mal als Backpackerin aus Irland kam, und deren 2 Töchter Rosy und Amber. Sie bewirtschafteten die kleine Farm „Kerikeri Organics“ und verkauften ihre Selbstangebauten Lebensmittel in ihrem eigenen kleinen Laden.
Wir wurden herzlich empfangen und in unsere eigene Hütte gebracht. Auf den ersten Blick wirkte alles sehr ungemütlich, kalt und veraltet. Es gab keinen Fernseher, lediglich ein altes Radio, ein Plumpsklo draußen, keine Heizung, dafür einen süßen kleinen Kamin. Wir lernten jeden Abend ein Feuer zu machen und auch sonst wuchs uns die Hütte in den 4 Wochen unseres Aufenthaltes sehr ans Herz. Die Vormittage verbrachten wir damit den Laden zu öffnen und aufzuräumen, die Tiere (jede Menge Hühner und Schweine) zu füttern, Kiwis und Orangen zu ernten und diese stundenlang zu putzen, Setzlinge zu pflanzen und Süßkartoffeln und Lauch zu ernten. Zum Lunch, den wir meistens gemeinsam mit der ganzen Familie aßen, gab es selbstgebackenes Brot und frischen Salat.
Während den Nachmittagen lasen wir viel, genossen die bereist wärmende Frühlingssonne, gingen spazieren und spielten mit Rosy oder Amber. Manchmal fuhren mit Fahrrädern in das 7 km entfernte Kerikeri, wo wir an den Geschäften entlangliefen und Pizza aßen.
Abends kochten wir meistens für uns, dafür durften wir uns aus dem Laden nehmen was wir wollten. Da wir beide keine besonders guten Kochkünste aus Deutschland mitbrachten, fiel es uns am Anfang sehr schwer verschiedene Gerichte zu kochen, doch auch das besserte sich mit der Zeit. Meistens aßen wir Kartoffeln mit Eiern und Möhren, Kürbissuppe, Reis, Rote Beete, Süßkartoffeln und Spinat. Manchmal luden uns Marty und Becky in ihr Haus ein. Das waren die Abende die ich am meisten genoss, wenn wir zusammen mit einer großen Gruppe von Menschen, die Familie hatte sehr oft Freunde zu Besuch, leckere neuseeländische Gerichte wie Lamm oder Muscheln in Weißweinsoße aße
n und dabei Geschichten erzählten. Nach 10 Tagen kam ein französisches Pärchen, ebenfalls "Wwoofer", mit denen wir abends gemeinsam kochten und spielten.
Jeden Sonntag war Wochenmarkt auf dem auch der Laden von Marty einen kleinen Stand hatte. Steffi und ich verkauften stundenlang frisches, Selbstgeerntetes Gemüse während Marty uns mit Imbissen versorgte und seine gesellschaftlichen Kontakte pflegte.
An 2 Tagen hatten wir frei und machten wundervolle Ausflüge. Zuerst ans Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands, wo wir uns dem Wind um die Nase pfeifen ließen und auf kleinen Wellenbrettern die meterhohen Sanddünen hinunterrasten. Dann noch in die Bay of Islands, wo wir einen Bootsausflug mit einem Katamaran machten und die Delfine zum Anfassen nah kamen.
Manchmal nahm uns der Nachbar abends zu sog. Hot Pools mit. Dort lagen wir stundenlang unter dem Sternenhimmel in verschiedenwarmen Naturbadewannen, schmierten uns mit heilendem Schlamm ein und lauschten den Mythen der einheimischen Maoris.
Insgesamt war unser Farm Aufenthalt ein ganz besonderes Erlebnis, denn so nah
kamen wir einer neuseeländischen Familie nie wieder. Der Abschied fiel uns nach 4 Wochen sehr schwer, aber wir wussten dass noch 10 spannende Monate im Land der Kiwis vor uns lagen und waren sehr gespannt was diese aufregende Zeit noch für uns bereit halten würde.
Ich würde gern noch mal nach Kerikeri fahren. Marty hatte sehr viele Pläne mit seiner Farm, denn die war typisch neuseeländisch: etwas chaotisch aber voller Charme!




