Mai, kurz nach dem Junior Prom, hatte ich zum ersten Mal wirklich das Gefühl in meiner High School zu Hause zu sein.
Das ganze Schuljahr über veränderten sich die Dinge. Man kam manchen Menschen mal näher und aus anderen Begegnungen wurden Bekanntschaften. Und ich weiß noch, wie ich im Frühling einen neuen Seasonsport anfing. Ich trat dem Mädchen-Leichtathletik Team bei und sagte mir: " Wow, and I thought, I was done being the new one." (Ich hatte gedacht, ich wäre fertig damit, die Neue zu sein.) Weil ich schon wieder mit ganz anderen Leuten zu tun hatte und mein Tagesablauf wieder ganz anders aussah.
Aber im Mai beruhigte sich alles ganz langsam. Die wichtigsten Prüfungen standen mir kurz bevor und es gab nichts Wichtigeres, als diese so gut wie möglich hinter sich zu bringen. Wir alle, die in dieser Situation steckten, wurden sozusagen zusammen geschweißt. Dadurch, vor Angst bibbernd in den Prüfungsraum rein gelassen zu werden, einander aufmunternd auf die Schultern zu klopfen und als dann alles vorbei war noch am gleichen Abend bei meinem Mathelehrer zu Hause ordentlich abzufeiern. Ja ganz richtig! Mein Mathelehrer hatte alle Schüler, die diese Prüfung geschrieben hatten, bei sich zu einem großen BBQ eingeladen. Voll genial!
Darauf folgten Junior und Senior Prom, worüber noch tagelang geredet wurde. Und ich fühlte mich wirklich dazugehörig.

Und wenn ich mich im Winter darüber geärgert hatte, dass mich niemand zu Partys einlud‘ oder mich anrief um shoppen zu gehen, musste ich nun Freunden absagen, weil ich auch etwas Zeit mit meiner Familie verbringen wollte. Und ich konnte auch ruhigem Gewissens absagen, weil ich wusste, dass ich auch das nächste Mal noch eingeladen werden würde.
Aber so allmählich wurde die Zeit knapp. Nur noch 8 Wochen Amerika, sagte ich mir. Und meine letzten 8 Wochen habe ich dann auch so richtig ausgekostet. Der Sommer trat ein und die Ära des Strandes, der Shoppingmalls, Sleep-over-partys und Sight-Seeing-tours in New Jersey begann. Plötzlich fielen mir mit meiner Familie und meinen Freunden noch so viele Sachen ein, die ich unternehmen wollte und die wurden auch alle umgesetzt.
Ich bin mit meinen besten 2 girlfriends, Lizy und Chloe, auf einen abenteuerlichen "Road Trip" nach Philadelphia los (mit Bus und Bahn; und abenteuerlich, weil wir direkt erst mal unseren ersten Bus verpassten) und anschließend ins riesen große Aquarium, wo wir meine Familie trafen und den Rest des Abends zusammen verbrachten. Ein wunderbarer Tag!
Meine Familie und ich sind runter an den südlichsten Punkt von New Jersey, Cape May, gefahren und haben uns das wunderschöne Touristenstädtchen angeguckt, das berühmt ist für viktorianische Häuser in knalligen Farben. Wir sind nach Princeton zur Besichtigung des Uni-Campus‘, meiner zukünftigen Wunsch-Uni, gefahren und hatten Tagesausflüge an den Strand.
Zu allerletzt hatte ich sogar noch ne fette Goodbye-Fete mit dem anderen deutschen Austauschschüler, Michel. Etwa 30 Leute waren da und wir haben gefeiert bis spät in die Nacht und all meine Schulpapiere im Lagerfeuer verbrannt.
Zusätzlich schmissen viele meiner Freunde "Graduation-Partys", da sie als Seniors mit der Schule fertig waren und sich so eine Party einfach gehört.
Es waren die aufregendsten und ereignisreichsten Wochen meines Lebens und zugleich waren sie ab und zu traurig, da mit jedem Tag meine Heimkehr näher rückte.
Ich freute mich auf zu Hause, sehr. Darauf meine Familie und Freunde wieder zu haben. Aber noch trauriger war ich meine fest in Herz geschlossene amerikanische Familie und meine neu gewonnen Freunde zu verlassen. Ein Zwiespalt der so schön, wie hässlich ist.
Ist doch unglaublich, dass man so viele neue Menschen in sein Leben dazu gewonnen hat. Freundschaften geschlossen, bei denen man weiß, dass man jederzeit wieder auftauchen kann und immer Willkommen sein wird. Zu wissen, dass das nächste Mal, wenn man bei der Einreise in die Staaten gefragt wird: " Business, Family ", man mit großem Grinsen und fester Sicherheit sagen kann "Family". Und gleich weiß man, dass man sie verlassen muss, sei es auch nur auf ein Wiedersehen.
Dieses Jahr war voller Magie. Es hat mich stärker gemacht in jeder Hinsicht. Ich habe mich, trotz der Entfernung von meiner Familie und Freunden so sehr geliebt gefühlt, wie noch nie zuvor. Und ich habe so viel Wunderschönes, Unvergessliches erlebt, dass mein Leben so viel besser und reicher gemacht hat.
Ein Abenteuer, wie kein anderes!




