Mein Name ist Cindy Katzer, bin 20 Jahre alt und eine stolze Freisingerin! Ich lebe nun schon seit über 9 Monaten in den USA. Um genauer zu sein, in einem kleinen Suburb – Scotch Plains genannt – in New Jersey, nahe bei New York. Ich nehme an einem sogenannten EduCare Programm teil. Das bedeutet, ich bin im Großen und Ganzen ein Au Pair (Kindermädchen), gehe aber zudem an zwei Vormittagen unter der Woche auf ein lokales College. Die Idee, für ein Jahr ins Ausland zu gehen, kam von meiner Mutter! Sie war schon immer der Meinung, solch ein Auslandsaufenthalt bringe nur Positives und hat mich dementsprechend "gepusht".
Vorbereitung auf ein Jahr in den USA
Anfangs war ich mir nicht ganz so sicher und habe meine Kurzbewerbung immer wieder hinausgezögert. Aber im Endeffekt hat sie es dann doch geschafft, mich zu überzeugen und heute bin ich ihr zutiefst dankbar dafür! Dieses Jahr in den USA ist definitiv das Beste, was mir je passiert ist! Nachdem ich meine Kurzbewerbung an die Agentur AIFS abgeschickt hatte, ging es auch schon kurze Zeit darauf mit dem Ausfüllen und Beantragen der notwendigen Papiere los (ärztliches Gutachten, Visum, internationaler Führerschein, Führungszeugnis, etc.). Zudem musste ich eine Mindeststundenanzahl an Babysitting vorweisen. Dafür benötigte ich Referenzen von den Eltern meiner Babysitterkids. Diese dienten lediglich als Bestätigung, dass ich auch wirklich all diese Stunden erfüllt habe und gut auf Kinder aufpassen kann. Außerdem brauchte ich Nachweise von ehemaligen oder aktuellen Lehrern bezüglich meines (Sozial-)Verhaltens und Reifegrades. Nachdem all diese Dinge erledigt waren, ging es an das entscheidende Interview. Dies war wahrscheinlich der nervenaufreibendste Moment bis dahin. Dafür bin ich nach München gefahren und habe mich unter "Beweis" stellen müssen. Es wurden Fragen gestellt bezüglich familiärer Hintergründe, persönlicher Angelegenheiten und natürlich Kindererziehung (Sauberkeitserziehung, Regeln, welche Art von Bestrafungen angewendet werden usw.). Aber das Schlimmste am ganzen Interview war für mich das Englisch sprechen. Im Vornherein zu wissen, dass man sich mögliche drei Stunden in einer anderen Sprache unterhalten muss, war eine schreckliche Vorstellung für mich. Aber im Nachhinein ist es einfacher als man denkt und es wird absolut kein perfektes Englisch erwartet bzw. verlangt! Puh! Als ich die offizielle Bestätigung von meiner Interviewerin erhalten habe, wurde mein "Profil" im Internet freigeschaltet und diverse Familien hatten die Möglichkeit mich zu kontaktieren. Bereits nach 2 Wochen hatte ich Anfragen von zwölf Familien und jede wollte sobald wie möglich mit mir telefonieren. Fazit: Ein fürchterlicher Druck lag auf mir! Jedoch habe ich letzten Endes lediglich mit zwei Familien telefoniert und beim zweiten Gespräch wusste ich es einfach: Das wird meine zukünftige Gastfamilie! Nach zwei weiteren Telefonaten und E-Mails haben wir uns füreinander entschieden. Nun konnte ich mich endlich auf mein damals noch bevorstehendes Abitur konzentrieren und der Gedanke an ein ganzes Jahr Amerika rückte wieder in weite Ferne. Aber spätestens nach meiner Abiturfahrt konnte ich nicht mehr umhin, mit intensiven Reisevorbereitungen zu beginnen. In diesen letzten vier Wochen in Deutschland reichten meine Stimmungsschwankungen von "himmelhochjauchzend" bis "Können wir nicht einfach alles absagen?". Gefühlschaos pur! Auch hatte ich ständig das Gefühl, meine verbleibende Zeit ganz intensiv nutzen zu müssen und so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und Freunden zu verbringen. Für ein komplettes Jahr "Tschüss" zu sagen, fiel mir schwerer als ich anfangs dachte.
Ankunft, Schulung und meine Gastfamilie
Und dann war der große Tag auch schon gekommen. Nachdem ich bereits mit Tränen in den Augen aufgestanden bin, das letzte Frühstück zuhause hatte und ganze vier Stunden im Flugzeug durchgehend geweint hatte, war ich endlich in den USA angelangt! Als erstes ging es für vier Tage auf eine sogenannte "Orientierung". Um die 200 Au Pairs aus aller Welt trafen sich in einem Hotel, um dort Meetings abzusitzen. Wir wurden über rechtliche Angelegenheiten, Gefahren, kulturelle Unterschiede, Umgang bei Problemen mit den Kindern oder den Eltern, Collegebesuch, Erste Hilfe-Kurs etc. aufgeklärt. Und das alles mit vom Weinen verquollenen Augen und komplett auf Englisch! Vielleicht hätte es ein Trost sein müssen, zu wissen, dass es all den anderen Mädchen genauso ging wie mir, aber ich persönlich fühlte mich einfach nur verlassen, verloren, einsam, traurig – einfach alles. Im Nachhinein war es dann doch recht amüsant. Neben ersten überwältigenden Eindrücken von einer der atemberaubendsten Städte der Welt – New York City – schloss man bereits in diesen Tagen erste Freundschaften und die Zimmerpartner lebten zukünftig im selben "Cluster". Nach diesen vier erschöpfenden Tagen wurden alle Au Pairs vom Flughafen abgeholt. Und schon kamen die nächsten ungeklärten Fragen auf: "Wie begrüße ich meine neue Familie? Über was könnte ich mich mit ihnen im Auto unterhalten? Was mache ich, wenn sie mich nicht mögen? Werden sie mich verstehen?". Und schon wieder fuhren die Gefühle Achterbahn! Zum Glück hatte ich nicht allzu lange Zeit zum Nachdenken, denn kurz darauf kamen Sophie (Hostmom) und Kimberly (my little girl) die Rolltreppe hoch. Mit Rosen in der Hand haben sie mich ganz herzlich begrüßt und ich glaube fast, sie waren genauso aufgeregt und nervös wie ich!
Alltägliche Pflichten
Dieser Tag ist nun schon ganze 9 Monate und 10 Tage her! Und ich habe nicht einen einzigen davon bereut, ich bin super glücklich, so wie ich es mir immer erträumt hatte! Nach anfänglichem Heimweh und nur schleichendem Fortschritt bezüglich meines Englisch, habe ich mich sehr gut eingelebt, Freunde gefunden und mein "Ich" besser kennengelernt! Im Prinzip führe ich ein ziemlich normales Leben. Morgens stehe ich gemütlich auf, bereite die Brotzeit für die Kleine vor und habe mit ihr ein gemeinsames Frühstück. Um 8.15 vormittags bringe ich sie dann zur Schule (mit meinem Riesentruck!) und die Zeit bis 3.10 nachmittags steht mir dann zur freien Verfügung. Zweimal unter der Woche gehe ich für jeweils 3 Stunden in das Union County College. Im ersten Semester habe ich Kinderpsychologie und Französisch belegt. Das zweite bestand dann aus Organischer Chemie und Englisch (Die Dynamiken der Kommunikation). Im Grunde genommen hat es mir sehr viel Spaß gemacht. Aber da ich ja leider keinen Abschluss anstrebe und mir in Deutschland nichts von alledem anerkannt wird, bleibt die Motivation zum Lernen etwas zurück. Zudem finde ich unter der Woche kaum eine ruhige Minute, um ein Schulbuch zu lesen. Ansonsten habe ich den üblichen "Haushaltskram" zu erledigen. Wäsche, Betten machen, Geschirrspüler ein- bzw. ausräumen, Einkauf, Zimmer aufräumen, Reinigung, gelegentliches Kochen, Auto putzen, usw. Man lernt in solch einem Jahr einiges dazu und vor allem lernt man die Vorzüge von "Hotel Mama" zu schätzen! Mein Fazit: Hausfrauen und Mutter-Dasein haben dann doch noch etwas Zeit! Aber die Erfahrungen in puncto Haushaltsführung sind eine gute Vorbereitung für einen vielleicht bevorstehenden Auszug zwecks Studium.
Die Wochenenden habe ich dann meistens frei. Diese nutze ich, um nach New York City zu fahren (40 Minuten mit dem Zug) und jede kleine Ecke zu erkunden oder Ausflüge in Städte zu machen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Unter anderem schließt das Wochenenden in Philadelphia, Boston, Atlantic City / Cape May, Kanada (zum Snowboarden über die Weihnachtszeit zusammen mit meiner Hostfamily) und Annapolis (zum Segeln) ein. Diverse Ausflüge mit meiner Familie in Adventure Parks (z.B. Hershey Park, Hochseilgarten, Wasserpark, usw.), sowie Biketours am Strand und anderen schönen Orten sollen natürlich nicht unerwähnt bleiben. Dieses Wochenende geht es dann endlich nach Washington DC. Und danach – sicherlich ein absolutes Highlight meines Auslandsjahres – eine Woche Strand, Sonne, Palmen und Meer in Florida! Bereits zum dritten Mal bekomme ich nämlich Besuch aus Good Old Germany. Kurz nach Weihnachten (die für mich wegen Heimweh wohl schlimmste Zeit) hatte ich Besuch von meiner Schwester und habe mit ihr den Big Apple gerockt. Anfang April kam meine Mama zu Besuch, mit der ich dann nach ein paar Tagen in der City, das etwas andere, wahrscheinlich für viele das "wahre" Amerika kennenlernen durfte: Oklahoma (einschließlich Tornado)! Und jetzt, zu guter Letzt kommt meine beste Freundin und wir werden mit Sicherheit dreizehn unvergessliche Tage miteinander verbringen. Auf unserem Plan stehen unter anderem eine Stadtbesichtigung New York, Shopping, Schnorcheln in Key West, Airboatride in den Everglades und natürlich Strandfeeling am Ocean Drive in Miami Beach! Und wer jetzt denkt, das soll schon alles gewesen sein, der irrt. Zwar geht mein Jahr bereits in drei Monaten zu Ende, aber bis dahin stehen noch ein Besuch der Niagara Fälle und 1000 Islands, Block Island (wieder zum Segeln), Princeton Edward Island (Heimat meines Hostdads in Kanada), Montreal und als krönender Abschluss zwei Wochen California Roundtrip auf meiner "to-experience-list"!
Bis bald in Good Old Germany!
So weit, so gut, doch auch der schönste Traum geht mal zu Ende. Und damit kommen erneute Fragen und Ängste auf: "Was hat sich in Deutschland bzw. in der alten Heimat geändert? Wie werden die Freunde auf einen nach so langer Zeit reagieren? Hat man sich womöglich stark verändert? Bekomme ich einen Studienplatz? Wenn ja, wo? Muss ich eventuell ausziehen und alles erneut verlassen?". Fragen über Fragen und noch weniger Antworten. Anfangs war ich stets der Meinung, es fiele viel schwerer, sein altes und gewohntes Umfeld zu verlassen. Nach neun Monaten getrennt von allem, nach tausenden Hürden, die man mit Bravour meistern musste, ist das Heimkommen die eigentliche "Challenge". Ich persönlich hatte das beste Jahr überhaupt! Ich habe eine wunderbare zweite Familie gefunden und in mein Herz geschlossen, neue Freunde kennengelernt und meine Leidenschaft für das Reisen entdeckt! Ich habe mir fest vorgenommen die Studienzeit (natürlich die vorlesungsfreie Zeit) zu nutzen, um noch das ein oder andere Projekt (sozial, Umwelt, Tierschutz o.ä.) im Ausland in Angriff zu nehmen. Und ich weiß auch mit Sicherheit, dass ich nicht zum letzten Mal in den USA bin. Ich werde den Kontakt zu meiner Gastfamilie aufrecht erhalten und sie hoffentlich bald wieder besuchen. Der Abschied hier von meinem "little girl", meiner Gastfamilie und Freunden wird bestimmt ebenso tränenreich wie mein Abschied vor neun Monaten in Deutschland. Es ist eben immer schwer, liebgewonnene Menschen gehen und los zulassen. Aber: That`s life! Nichts desto Trotz freue ich mich auf meine Familie und Freunde zuhause und natürlich auf Freising: Endlich wieder Volksfest und Wies`n!
Ich hoffe sehr, dass ich Euch einen kleinen Einblick in mein persönliches USA-Abenteuer verschaffen konnte und die ein oder anderen neugierig geworden sind!
Ihr jungen und abenteuerlustigen Jungs und Mädels: nutzt jede Gelegenheit, Euch selbst zu beweisen und verwirklicht Eure Träume! Es lohnt sich ganz gewiss. Ihr könnt nur wachsen und gewinnen. Kurzum: packt es an und wagt den Schritt, vielleicht ja in das Abenteuer eures Lebens!
Mit ganz lieben Grüßen aus den USA,
Eure Cindy




