Hallo liebe Neuseeland-Begeisterten!
Mein Name ist Timo Strönisch und ich würde euch gerne meine Zeit hier in Aotearoa so gut wie möglich, und wie es der Platz auf dieser winzigen DIN A4 Seite zulässt, beschreiben. Der Platz auf dieser Seite reicht wahrscheinlich gerademal dazu aus, um Euch ein Zentel der Euphorie zu vermitteln, die man bekommt, wenn man in dieses wunderschöne Land mit diesen unbeschreiblich netten und warmherzigen Leuten reist.
Nach Abschluss meines Abiturs 2010 habe ich mich dazu entschieden, hierher nach Neuseeland als Au Pair zu kommen, da ich nach solch einer langen Zeit des Lernens und „Fleißig seins“ Lust verspürt habe, ein fernes und landschaftlich atemberaubendes Land kennenzulernen, eine weitere Sprache nach tiefer zu verinnerlichen und mich gleichzeitig mit Kindern zu beschäftigen, was mir als eine Art Vorbereitung auf mein zukünftiges berufliches Leben helfen sollte, da ich mich gerne nach meinem geplanten Medizinstudium auf Pädiatrie spezialisieren und Kinderarzt werden will. Außerdem wollte ich mir eine Auszeit gönnen, da ich nicht direkt in das Studium übergehen wollte, um für weitere 6 1/2 Jahre vor meinen Büchern zu sitzen, ohne ein bisschen mehr von der Welt gesehen zu haben und mich etwas inspirieren zu lassen. Des weiteren habe ich mich gerade für Neuseeland entschieden, da ich von vielen Freunden, die hier waren, atemberaubende Fotos gesehen und gehört habe, dass es doch hier so toll sei, was ich nur tausendmal bestätigen kann.
Diese Zeit hier war im Nachhinein also wirklich eine super Idee. Zuerst war ich ein bisschen skeptisch, ob ich als „Junge“ überhaupt eine Chance haben würde, in eine Gastfamilie als Au Pair aufgenommen zu werden. Es hat sich aber nach dem erledigten Papierkram nach einem Monat direkt eine Gastfamilie gemeldet, die mich gerne aufnehmen und mich um ihren 4-jährigen Jungen kümmern lassen wollte. Dem Alter entsprechend war ich in dem Au-Pair-Programm „Au Pair 123“. Wie es sich nach meinem 7-monatigen Aufenthalt und direkt schon nach der ersten Woche herausgestellt hat, habe ich unheimlich viel Glück mit meiner Familie und bin überglücklich, hier so warmherzig aufgenommen worden zu sein.
Ich lebe hier in Waikato ziemlich genau auf halbem Wege von Auckland nach Hamilton in der größten Agrarregion Neuseelands mit vielen Wiesen (werden hier ausschließlich „paddocks“ genannt) und Hügeln um uns herum (sieht aus wie im Auenland und ist ja auch nach zum Drehort); dementsprechend sind hier auch viele Kühe und Schafe vor unserer Haustür unterwegs. Mit meiner Gastfamilie, die mich gleich direkt vom Flughafen nach meiner Ankunft in Auckland abgeholt hat, haben wir zuerst einen Monat in Auckland in einem ziemlich kleinen apartment in einem „office building“ gelebt, da wir erst später in das neue (und sehr schöne und große) Haus in Waikato umziehen konnten, wo wir jetzt leben, da dieses erst fertig gestellt werden musste. Der Umzug hat mir aber keine Probleme bereitet, da ich es genossen habe, in zwei so verschiedenen Gebieten zu leben und diese kennenzulernen, und außerdem schweißt einen sowas immer noch mehr zusammen.
Bevor ich aber meine Arbeit in meiner Gastfamilie begonnen habe, bin ich zuerst 3 Wochen auf der Südinsel Neuseelands herumgereist, wobei mich meine Gasteltern unterstützt haben. Diese Zeit war unvergesslich für mich und hat mir die Gelegenheit gegeben, die schönsten Orte dieses naturschauspielerisch so spektakulären Landes mir seinen Farnwäldern, Steilküsten, Bergwelten, Fjord- und karibisch angehauchten Landschaften zu entdecken, auch wenn ich gerade so dem Erdbeben in Christchurch entkommen bin.
Dieses Land ist einfach perfekt für spontane Reisen, da man einfach überall herzlich aufgenommen wird und alles gut erschließbar ist. Nach meinen Entdeckungen auf meinen Reisen ging dann mein Alltag in der Gastfamilie los, der zunächst wegen des Hausbaus relativ chaotisch vonstatten ging. Nach unserem Umzug wurde dann alles schrittweise organisierter. In Auckland war ich mit meinem Jungen viel auf Spielparks oder Parks, habe Freunde besucht und später in Waikato haben wir sehr viel draußen gespielt, Höhlen gebaut, sind Fahrrad gefahren (wobei ich ihm das Fahrradfahren beigebracht habe) oder sind auf dem Trampolin gesprungen. Grundsätzlich habe ich immer fast den ganzen Tag mit ihm gespielt und wir haben unheimlich viel Spaß zusammen gehabt, wobei solch ein Alltag natürlich auf die Dauer auch sehr anstrengend werden kann. Ich habe die Zeit mit ihm wirklich genossen, da er einfach eine Frohnatur, total niedlich und wirklich schlau ist, auch wenn er oft Schwierigkeiten hatte, sich für längere Zeit zu konzentrieren, was auf die Dauer aber auch immer besser geworden ist.
Unglaubliche Schwierigkeiten hatte er aber mit seinen Mahlzeiten, da er immer ewig gebraucht hat, um damit fertig zu werden, und da das einzige Obst und Gemüse, was er angerührt hat, ohne zu quengeln, waren Äpfel und Erbsen. Ich hab echt alles versucht, aber in der Hinsicht war er echt schwierig. Wir haben außerdem viel miteinander gerechnet, schreiben gelernt und ich habe ihm sogar Klavierunterricht gegeben, da meine Gasteltern für mich einen kleinen Stutzflügel gekauft haben, da ich unheimlich gerne Klavier spiele. Das war wirklich ein Zeichen dafür, wie viel Glück ich mit ihnen hatte und wie großzügig sie waren. Die richtige Balance zwischen Erziehung und gemeinsamem Spaß zu finden ist natürlich schwer, aber wir haben sie letztendlich zusammen sehr gut gemeistert. Er ist jetzt nach meiner Zeit wie ein kleiner Bruder für mich geworden und es wird absolut schwer werden, ihn hier zu lassen, wenn ich wieder zurück nach Deutschland muss. Seine Eltern sind auch sehr liebenswert, großzügig, intelligent und haben einen tollen Humor; eben waschechte Kiwis.
Wir alle haben zum Beispiel auch einige kleine Trips oder Urlaube nach Queenstown und Taranaki zusammen gemacht, in denen ich besonders viel Spaß mit ihnen hatte und in denen wir besonders zusammengewachsen sind. Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig, schon im Vornherein herauszufinden, ob man persönlich gut zueinander passt und gleiche Prinzipien verfolgt. Meine Gasteltern haben beispielsweise sehr viel Wert auf Genauigkeit in seinem Handeln, Ordnung und Sauberkeit im Haus gelegt, was ich persönlich aber auch sehr wichtig finde, und sie waren oft sehr penibel. Auch solche Dinge, wie ein gemeinsamer Sinn für Humor machen viel aus, um ein gutes „match“ zu haben. In meinem Fall war ich also auch sehr stark für Hausarbeiten wie „sauber machen“, die Haustiere füttern und ihnen hinterher räumen verantwortlich, wobei ich wöchentlich einen Tag hatte, an dem ich buchstäblich das ganze Haus geputzt habe, was mir aber keine Probleme bereitet hat. Man sollte also solche Dinge besprechen und auch jene, in denen es darum geht, wie man es am besten mit seiner Freizeit, seinem Urlaub oder der Benutzung des Autos für eigene Zwecke regelt, um in dieser Beziehung überein zu kommen.
Man sollte sich auch bewusst sein, dass man wirklich eine große Verantwortung als Au Pair trägt, wenn man zum Beispiel die Kinder im Auto chauffiert. An den Linksverkehr habe ich mich hier sehr schnell gewöhnt, auch wenn es natürlich anfangs speziell im Stadtverkehr Aucklands schon schwierig war. In meinem Fall, haben wir weniger stark zwischen meinem Privatleben und meinem Au-Pair-Leben getrennt, da wir eben wie eine Familie geworden sind, und jeder eben dauerhaft Verantwortung im Alltag übernehmen musste. Das hieß für mich eben aber auch, dass ich oftmals an meinen freien Tagen eingesprungen bin und mich um den Jungen gekümmert oder gebabysittet habe, oder dass ich auch bereit war, über meine Arbeitszeiten hinaus für sie da zu sein. Ein weiter Grund für diese Notwendigkeit war eben auch, dass wir sehr weit entfernt von der „Zivilisation“ auf dem Land gewohnt haben und es immer ziemlich lange gedauert hat, um in die Stadt zu fahren, was Treffen mit anderen Gleichaltrigen etwas erschwert hat.
Alles in allem habe ich mich hier aber sehr wohl gefühlt und meine Gasteltern haben wirklich gut dafür gesorgt, dass längere Arbeitszeiten auch belohnt werden. Grundsätzlich wird man hier als Au Pair aber wirklich sehr stark in das Netzwerk aus Au Pairs eingebettet und kann jederzeit neue Leute treffen. Die „au pair instructors“ hier kümmern sich wirklich sehr liebenswert um einen, besuchen einen monatlich und arrangieren fast zweiwöchentlich Treffen oder coole Aktivitäten mit allen Au Pairs einer Region. Man fühlt sich also wirklich sehr schnell sehr gut in der Gesellschaft integriert und kann viele neue Freunde treffen. Des Weiteren sind die „instructors“ auch dafür verantwortlich, zu kontrollieren, ob die Au Pairs die schriftliche Dokumentation ihrer Arbeit auch pflichtgemäß erledigen. Die „au pair orientation“ in Auckland, die normalerweise vor dem Kennenlernen der Gastfamilie stattfindet, war auch wirklich sehr hilfreich für das weitere Au-Pair-Leben, hat Spaß gemacht und einem geholfen, schon mal gleich seiner ersten Kontakte zu knüpfen und Neuseeland kennenzulernen. Auch das Interview der Au Pairs in Deutschland und der Kontakt zu den netten Mitarbeiten von AIFS haben einen gut auf die kommende Zeit vorbereitet und sind gut und ohne jegliche Komplikationen über die Bühne gegangen.
Alles in allem ist der Service von Deutschland nach Neuseeland für die Au Pairs wirklich wahnsinnig gut organisiert und standardisiert, der Flug ist zwar anstrengend, aber eigentlich echt kein Problem. Ich fühlte mich zu jeder Zeit sicher in meiner Entscheidung und wirklich individuell unterstützt; ich habe mich nur echt nach allem gefragt, wie das alles für diesen Preis möglich sein konnte. Ich denke, wenn man hierher kommt, wird es für jeden wirklich schwer, wieder loszulassen und sich nicht in das Land und die Leute zu verlieben oder nicht zu sagen, dass man auf jeden Fall wieder kommen möchte. Auch der Unterschied meiner Sprachkenntnisse von Beginn zum Ende hin ist wirklich dramatisch, obwohl ich eigentlich „nur“ 7 Monate hier hatte. Man sollte nur darauf achten, dass man auch wirklich viel zum Sprechen kommt und sich alles traut, auch wenn man lustige Fehler macht. Man wird dafür aber auch echt belohnt, wenn man auf einmal merkt, dass man permanent in Englisch denkt oder träumt und sich der deutsch Akzent nach einer Weile verabschiedet. Meiner Meinung nach gibt es wirklich nicht einen Grund, warum man sich nicht für Neuseeland als Au Pair und AIFS entscheiden sollte, es passt einfach alles! Und man lernt den Kiwi-Slang kennen:
Sweet as!
Catch you later, mate!




