Amerika – das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, New York City– die Stadt, die niemals schläft, der St. James Place in Brooklyn – mein Zuhause für ein Jahr.
[marlenm1.jpg]Seit ein paar Wochen bin ich nun schon wieder in Deutschland und wenn ich an mein Jahr als Au Pair zurückdenke, muss ich immer wieder tief durchatmen, denn es war und wird das Aufregendste, Erlebnisreichste, und Prägendste in meinem Leben bleiben. Vor allem durch die Toleranz, Offenheit, Freundlichkeit, und auch wegen der Hektik und dem Chaos der Stadt gemischt mit einer einmaligen Gelassenheit der Menschen. Es ist eine schöne Erinnerung und zugleich eine Traurige, denn leider hat sich der Traum vom Leben in den USA viel zu schnell wieder ausgeträumt.
Ende Sommer letzten Jahres (2005) bin ich einfach so in mein neues Leben geflogen, anfangs vielleicht noch ohne es zu realisieren. Wahnsinnig aufgeregt standen wir angehenden Au Pairs am 22. August am Leipziger Flughafen. Es gab nur einen Unterschied: Neben meiner Nervosität habe ich noch mühevoll alle Fragen des SAT 1 -Kamerateams beantwortet, dass mich von diesem Punkt an durch mein Jahr hinweg begleiten sollte. Bei den anderen Mädels stieß das nicht gerade auf Zusprache und irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass Ihnen das gar nicht passte. Ignoriert zu werden hat mir die ersten Tage nicht unbedingt einfach gemacht aber die Aufregung und zugleich Erschöpfung ließen mich letztendlich darüber hinwegsehen.
Als wäre es heute passiert, erinnere ich mich an den Moment, in dem mein Name im „Abholwartezimmer“ nach der Orientation gerufen wurde und ich losgestürzt bin, ohne mich von irgendjemandem zu verabschieden. Meine Knie haben gezittert, meine Hände waren nass, und meine Bauchdecke hob vor lauter Schmetterlinge fast ab.
Dieses Bauchkribbeln erlebte ich nicht nur einmal, vielmehr hat es mich durch mein Jahr hinweg begleitet, denn da waren ständig so viele neue Sachen zu erleben, kennen zu lernen, und zu bewältigen. Vielleicht klingt es verrückt, aber vor lauter fremder Kultur, ungewohnter Menschen aller Nationen, und der riesigen Herausforderung und Verantwortung über die Arbeit mit den Kindern, blieben für Heimweh und schlechte Laune einfach keine Zeit. [marlenm2.jpg]Trotz anfänglicher Holpersteine, haben es mir die zwei Kleinen wirklich sehr einfach gemacht, stets guter Laune zu sein. Nathan (damals 5 Jahre) war vom ersten Moment an sehr offen mir gegenüber und hat mich mit heller Begeisterung in die wunderbare Welt der Lokomotiven, Eisenbahnen und Züge eingeführt. Dank ihm hatte ich einen sehr unkomplizierten Einstieg und ohne ihn wären mir so einige Sachen in manchen Situationen über den Kopf gestiegen. Mir fehlen seine leuchtenden Augen sehr, wenn er mir voller kindlichem Elan über den articulated bus erzählt, mit dem wir gerade fahren.
Teddy (damals 3 Jahre) ist für mich mein Sonnenschein. Er ist sehr anhänglich, daher war es anfangs auch nicht ganz leicht, ihn von mir zu überzeugen. Aber von Woche zu Woche, von Tag zu Tag wurde unser Verhältnis besser und enger und trotz riesigem Dickkopf ist und bleibt er einfach mein kleiner Engel und ich vermisse seine riesigen Augen so sehr, die mich anschauen und mir wortlos sagen: I love you.
[marlenm3.jpg]Meine Gasteltern sind immer sehr nett gewesen, haben mich in allem unterstützt, und mir viele wertvolle Tipps gegeben, ohne die mein Jahr lange nicht so erlebnisreich gewesen wäre. Beide sind Anwälte, aber trotzdem konnte ich mich über viel Freizeit freuen. Die Wochenenden waren bis auf Ausnahmen immer frei, ein Fakt der meinem Jahr einen sehr positiven Nebeneffekt verliehen hat, nämlich in der Lage zu sein schon im Voraus zu planen. Das sollte man auch tun, denn die Tage vergehen, zu Beginn vielleicht noch etwas schleppend, aber irgendwann schneller, und auf einmal wie im Flug, ohne dass man etwas dagegen tun kann. Keiner will es vor dem Jahr glauben, und doch sagen nach dem Jahr alle dasselbe: Die Zeit rast!
[marlenm4.jpg]Auch für mich rannte die Zeit, nicht zuletzt, weil ich doppelten Spaß durch eine tolle Begleitung hatte. Mariann (aus Hamburg) und ich haben uns in den ersten Wochen kennen gelernt, da wir nur 3 Blocks voneinander entfernt gewohnt haben und unsere Kinder wegen dem selben Alter die selben Schulen besucht haben, und wir somit den gleichen „Stundenplan“ hatten. Wir wurden schnell wie Pech und Schwefel und haben unsere neuen Erfahrungen größtenteils zusammen gemacht und alle Eindrücke, Freude, sowie Leid geteilt. Dank diesem Jahr habe ich in Ihr eine Freundin fürs Leben gefunden.
Die Herbstmonate, die in New York eher gefühlte Hochsommermonate waren, vergingen zügig und auf einmal stand Weihnachten vor der Tür. In New Jersey haben sich dann die drei Schwestern meiner Gastmutti, jeweils mit Ehemann, Baby, und in einem Fall noch zwei Jungs im riesigen Haus vom Opa eingefunden. Dasselbe Schauspiel, wie es sich zu Thanksgiving ereignet hatte, wurde wiederholt, nur dieses Mal mit Geschenken, die sich höher gestapelt haben, als der riesige Weihnachtsbaum. Man kann sich kaum vorstellen, wie das Zimmer [marlenm5.jpg]nach der Auspackschlacht und dem Kampf der Kinder mit dem vielen Geschenkpapier aussah. Die Kleinen waren den Rest des Tages beschäftigt mit ihren neuen Spielsachen. Es war erstaunlich zu sehen, wie viele verschiedene Spielzeuge es gibt, denn eigentlich war ich der Meinung, sie haben schon alle möglichen Variationen und Kreationen Zuhause im Schrank.
Diesem Highlight folgte in Kürze das Nächste: Silvester. Mein (damals-noch) Freund kam für zwei Wochen zu Besuch und wir zählten den Countdown am Times Square. Nach drei Stunden Warten auf engstem Raum in eisigster Kälte war es dann so weit, und zwölf Blocks hinterm eigentlichen Geschehen verfolgten wir alles über Leinwand. Die Uhr zeigte 12:00, es machte Bumm, alle fielen sich in die Arme, und nach 30 Sekunden verteilten sich die Menschenmassen in die verschiedensten Richtungen, und nach ca. 10 Minuten war der Times Square wieder der Alte, d.h immer noch voll, aber wieder wesentlich geeigneter zum freien Atmen. Naja, dabei sein ist alles, heißt es doch so schön.
[marlenm6.jpg]Nachdem mein Freund wieder nach Hause geflogen war, verging die Zeit noch schneller. Im Februar bekam ich nämlich schon wieder Besuch, und zwar vom lieben Kameramann, der mal „nachgefilmt“ hat, wies mir so geht. Dank seiner Kreativität und seinem Budget konnten Mariann und Ich uns so einige kleine Vergnügen leisten. Wir waren einkaufen in einem der stylischsten Läden im Shoppingparadies Soho (Manhattan), wir haben uns den Sprit gespart beim Ausflug nach Hunter Mountain zum Snowboard crashcourse, und wir konnten im underageclub Avalon mal so richtig die Sau rauslassen.
Danke SAT 1! Ich durfte viele interessante Fragen beantworten und der Welt zeigen, wie toll das Leben als Au Pair ist. Sogar der „Pflichtteil“ am Au Pair–Dasein, nämlich das verdienen der Credits hat mir persönlich mehr als viel gebracht, denn ich habe einen Psychologiekurs an der New School belegt. Eine sonst undenkbare Möglichkeit, die mir gezeigt hat, was ich aus meinem Leben machen möchte.
Meine Zukunftsperspektive hat sich somit sehr verändert, genauso wie ich mich.
Während die Tage, Wochen, Monate, mein Jahr, so vergingen, während ich immer mehr in die Aufgabe der Kindererziehung reinwuchs, meinen Horizont ständig mit allem was ich tat erweiterte, eine völlig andere, neue Kultur kennen und lieben [marlenm7.jpg]lernte, weckte all das ein vollkommen neues, wunderbares Lebensgefühl in mir. Unzählige Male bin ich durch den Central Park geschlendert, habe ich in Soho geshoppt, war ich ice essen mit meinen Kleinen, saß ich stundenlang am Union Square um einfach nur die Menschen zu beobachten und die Atmosphäre zu genießen. Aber wie oft habe ich das bewusst getan und es nicht als selbstverständlich angesehen? So wenige Male, und auf einmal war die Zeit abgelaufen. Doch zum krönenden Abschluss hat sich unsere mittlerweile feste „Clique“ Anna (ein deutsches Au Pair), Kersti (mein roommate auf der Orientation aus Estland), Mariann, und Ich, eine einwöchige Reise nach San Francisco gegönnt. Die Kamera hat uns dabei begleitet, und unsere Hochs und Tiefs in diesem Urlaub festgehalten. Was dort alles so passiert ist, könnt ihr euch selbst anschauen, ich jedenfalls bin sehr gespannt auf den 4. Teil.
Wenn ich mir meine Anfänge letztes Jahr anschaue und darüber nachdenke, dann sehe ich, wie sehr mich das Jahr verändert hat.
Und dafür möchte ich mich bei AIFS bedanken! Ihr habt mir ein wunderschönes Jahr ermöglicht, das mir eine genaue Berufsperspektive gegeben hat, mich fabelhaft auf meine eigenen Kinder vorbereitet hat, mir Freundschaften fürs Leben ermöglicht hat, und mir Verantwortung, Selbstständigkeit, und vor allem eine riesige Portion Offenheit auf den weiteren Weg meines Lebens mitgegeben hat. Dieses Jahr hat mich erwachsen werden lassen und mir ein zweites Zuhause geschaffen.
Danke AIFS!




